Wettkampfbericht – Thermentriathlon (250/25/5)

Dieses Mal muss ich den Wettkampfbericht nicht mit einer negativen Einleitung beginnen.

Dafür allerdings mit einer Warnung über die Länge des Artikels!!!

Der Druck den ich mir vor diesem Triathlon selbst gemacht habe war ganz schön ordentlich (warum steht ein Hobbysportler eigentlich unter Druck? Worum geht’s denn überhaupt? Um die heißeste Kartoffel von allen?) immerhin galt es die bitter Blamage vom Gouvernatorman am Thalersee zu verarbeiten und für immer aus meinem Kopf zu streichen. Dafür musste ein gutes Ergebnis her. Ich wusste, dass ich in ausgezeichneter Form war und versuchte mir das auch immer wieder einzureden. „Mentaltraining“ heißt das Zauberwort. Mehr dazu aber später.

Und nun: „Möge die Show beginnen“

Wettkampf:

Beim Thermentriathlon in Fürstenfeld galt es 400 Meter schwimmend, 25 Kilometer auf dem Rad und 5 Kilometer per Laufschritt zu absolvieren. Allerdings stimmte die Ausschreibung nicht ganz mit der Realität überein. Die Schwimmstrecke war wohl eher nur ungefähr 250 Meter lang. Aber wen störts? Mich als Schwimmniete sicher nicht. Allerdings finde ich die Idee im Freibad zu schwimmen großartig. Auch wenn es beim Start eher eng war gefällt mir das Gefühl zu sehen, was da unter einem ist. Sogar eine weiße Markierung am Beckenboden zeigte den Weg an. Traumhaft.
Die Radstrecke war auch… Na wie war sie eigentlich? Ich habe keine Ahnung. Ich habe es nicht geschafft während der Fahrt den Kopf so weit zu heben. (Beim Zeitfahren bei der Tour de France schauen die Fahrer auch nicht blöd in der Gegend herum).
Die Laufstrecke war auch eine Klasse für sich und nach Gösselsdorf die bisher sicher anspruchsvollste die ich je gelaufen bin.

Vorbereitung:

Seit langem habe ich wieder versucht schon unter der Woche sehr viel zu trinken. (Obwohl es wahrscheinlich noch immer zu wenig war). Zusätzlich kaufte ich zwei Triathlonmagazine um mich ein wenig anzustacheln und eine gewisse Euphorie aufzubauen. Bei den letzten Wettkämpfen fehlte mir irgendwie die Vorfreude und nötige Anspannung.

Am Sonntag klingelte dann um 6 Uhr der Wecker. Und dieses Mal dachte ich auch wieder daran etwas zu frühstücken und nicht einfach loszufahren und hoffen, dass es schon irgendwie klappen wird. Es kann schon was wenn man nicht völlig gestresst aufsteht und in letzter Sekunde beim Wettkampfort ankommt. Vorbereitet hatte ich alles schon am Abend davor. Und so konnte ich komplett stressfrei das Frühstück genießen.

Und dann um 6:45 Uhr ging’s los und eine knappe Stunde später stand ich bereits auf dem Parkplatz vor dem Freibad.

Als erstes wurden die Startunterlagen geholt und gleich im Anschluss das Rad ausgeladen.

Und was sehe ich da? Besser gesagt, was sehe ich da nicht? Den kleinen Zwischenteil vom Schnellspannger den man braucht, dass dieser richtig haltet. Das kann ja nicht sein. Jetzt hat alles so toll begonnen und dann sowas? Ich begann also die Suche neben, unter, auf und im Auto. Aber ich fand dieses Sch***Teil einfach nicht. Und dann, sage und schreibe, 10 Minuten später, NEIN… fand ich ihn nicht.. ich beendete die Suche aufgrund völliger Sinnlosigkeit. Ich beschloss über meinen Schatten zu springen und jemanden zu fragen. (Das ist so, wie um den Weg zu fragen… Also eigentlich UNMÖGLICH). Ich wollte den Wettkampf aber nicht schon beenden müssen, bevor er überhaupt begonnen hat. Außerdem waren mir die „unfassbaren“ 40€ Startgeld zu viel um sie herzuschenken. (Im Casino ist das übrigens was anderes).

Ich ging also mit meinem Rad, das bis dorthin fast zusammenbrach, in Richtung Wechselzone und kam bei einem Stand vom Radleck vorbei. Dort gab es aber leider keinen Schnellspanner zu kaufen. Glücklicherweise stand dort aber ein junger Mann, ich nenne ihn hier einfach „Den Retter“, der ein Ersatzrad dabeihatte und mir von diesem den Schnellspanner borgte. Sehr zuvorkommend. Danke!
Während ich den Zettel eines Gewinnspieles ausfüllte hob ein Mitarbeiter (oder war’s der Chef) vom Stand mein Rad zur Seite.
Seine Worte: „Alter is des Teil schwer, was führstn da alles mit?“, ärgerten mich gewaltig, habe ich doch schon längst den Entschluss gefasst nächstes Jahr ein neues zu kaufen.
Ich war so beleidigt, dass ich sofort eine der zwei Trinkflschen austrank und das Pannentäschchen vom Sattelrohr entfernte. Euch werd ich schon geben!!!
Ca. einen Kilo leichter wuchtete ich das Rad dann in der Wechselzone fast 10 Meter in die Luft als ich es sanft aufheben wollte um den Sattel im Radständer einzuhängen.
HA, so leicht, und des obwohls A ALURAHMEN IS!

Ich nahm mir sogar die Zeit um den Weg in der Wechselzone zweimal abzugehen und mir gewisse Punkte einzuprägen.

Danach gings weiter mit dem Aufwärmprogramm. Das Timing an diesem Tag war perfekt. Genau rechtzeitig zur Wettkampfbesprechung war ich wieder zurück. Jetzt noch ein Gel einwerfen (hab irgendwo gelesen, dass man das so macht, trotzdem war ich glaub ich der einzige) und ab zum Schwimmstart auf der anderen Seite des Beckens. Den Weg dorthin bewältigte ich gleich im Wasser um mich mit dem kühlen Nass „anzufreunden“.

Swim:

Geschwommen wurde übrigens ohne Neo bei einer Wassertemperatur von ca. 24 Grad (lt. Veranstalter).
Um Punkt 8:55 Uhr fiel der Startschuss. Das oberste Gebot lautete: NICHT ÜBERTREIBEN!!! Auf den paar Metern kannst du nichts gewinnen, nur verlieren. Und so ließ ich mir Zeit und ging’s eher langsam an. Vielleicht sogar eine Spur ZU langsam (wir werden es nie erfahren).
Was sich da im Wasser aspielte war unfassbar. Es war so eng wie schon lange nicht mehr, und ich mitten drin. Vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich mit Tränen in den Augen das Becken verlassen. Aber jetzt bin ich ja schon erwachsen und halte sowas aus.
Noch bevor ich dazu kam nachzudenken ob ich vielleicht doch ein Bisschen schneller schwimmen sollte sah ich schon den Schwimmausstieg. Und bereits da wusste ich: Das kann heute was werden. Ich fühlte mich extrem gut und so konnte ich dieses mal wieder bis zur Wechselzone laufen und musste nicht gehen bzw. hoffen nicht vor lauter „vuifertig“ umzufallen. So schön kann schwimmen also sein, wenn man dabei nicht fast abkackt..

Die Schwimmzeit lässt übrigens darauf schließen, dass es sich hier niemals um 400 Meter gehandelt haben kann. Auch wenn vom Veranstalter zuvor gesagt wurde, dass es wohl eher ein bisschen kürzer sei. Aber ca. 250 Meter und ca. 400 Meter empfinde ich schon als großen Unterschied. Bei einem „Schwimm-Ass“ wie mir sind das immerhin fast 3 Minuten.

Schwimmzeit: 5:26min (inkl. Lauf vom Ausstieg bis zur Wechselzone)
Schwimm-Rang: 28 (von 136)

Wechselzone 1:

In der Wechselzone angekommen bot sich mir ein völlig unbekanntes Szenario. Warum um alles in der Welt standen da denn noch soviele Fahrräder. Üblicherweise war meines eher leicht zu finden, war es doch meist eines der wenigen noch vorhandenen. Nicht aber dieses Mal. Ein Blick zurück richtung Becken brachte den „AHA“ Effekt. Hoit aus, da bin i ja ziemlich vorn dabei. Ich ließ mir also bewusst etwas mehr Zeit um keine Fehler zu machen. Vielleicht auch hier wieder ein Bisschen zu viel.

Wechselzeit: 1:13min
Die 70-„schnellste“ Wechselzeit zu haben ist wohl nicht gerade etwas worauf man aufbauen kann. Dafür weiß ich jetzt wo es noch mindestens 30 Sekunden rauszuholen gibt.
Ich verließ also als 35er die Wechselzone (7 Plätze verloren, aber was solls)

Bike:

Trotz der relativ langen „Stehzeit“ hatten noch nicht allzuviele Athleten die Wechselzone verlassen. Und weil ich mich dieses Mal nach dem Schwimmen eben noch bewegen konnte, konnte ich auch auf dem Rad gleich ordentlich Druck machen. Es fühlte sich irgendwie alles so locker an. Keine Ahnung welche der Dopingmittel dafür verantwortlich waren (vielleicht war’s die Mischung). Es ging von Anfang an flach dahin. Ich war mir nicht sicher ob ich dieses Tempo halten konnte, aber vom letzten Training wusste ich, dass es eigentlich hinhauen sollte. So ging es dann mit ordentlich Geschwindigkeit die ersten Kilometer dahin. Nach 6 Kilometern kam der erste Anstieg. Nicht steil, dafür nicht lang. A guade Kombi. Ich versuchte die Trittfrequenz hoch zu halten und nicht zu übertreiben. Diese defensive Taktik (eigentlich gar nicht mein Stil) machte sich bezahlt. Am höchsten Punkt angelangt hatte ich noch Hummeln im Hintern. Von da an hieß es: GEMMA. Der Blick nach hinten gefiel mir besonders. Da war nämlich weit und breit niemand. Aber anstatt langsamer zu werden und die Füße zu schonen machte ich noch mehr Tempo. Ich witterte die Chance mit einem gemütlichen Polster vom Rad zu steigen. Somit hätte ich im „Worst Case“ sogar einen ziemlich beschissenen Lauf hinlegen können, ohne noch eingeholt zu werden. Und so war es dann auch. Auf der Schlussgeraden konnte ich hinter mir noch immer keinen sehen. Jetzt nur nicht den Wechsel versauen.

Radzeit: 39:30min (38km/h… Huiii. Und das trotz des schweren Rades)
Rad-Rang: 14 (von 136)
Mit dieser Radzeit schob ich mich vom 35. auf den 19. Gesamtrang vor (das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht)

Wechselzone 2:

Unfassbar! Es lief wie am Schnürchen. Bereits vor der Einfahrt zur Wechselzone fuhr ich „auf“ den Schuhen (wie beim Open-Water-Schwimmen gelernt) um dann leichtfüßig aus voller Fahrt vom Rad zu springen und bereits nur mit Socken zum Wechselplatz zu laufen. Ich war verblüfft wie gut das funktionierte. Was mich noch mehr verblüffte war allerdings der Anblick der Wechselzone selbst. Da stand ja nahezu kein Rad drin. War ich überhaupt richtig? JA! Wie geil. Rad aufgehängt, rein in die Laufschuhe (für die es wohl übrigens der letzte Wettkampf ihres „Lebens“ war) und ab dafür. Das Gefühl beim Verlassen der Wechselzone war unbeschreiblich (weil unbekannt, weil neu). Es war eine Mischung aus: Wieviele sind denn da nur mehr vor mir (zumindest 3 konnte ich sehen) UND wie schnell kann ich jetzt noch laufen bzw. halte ich das überhaupt durch?

Wechselzeit: 29sek (das ist mmn. eine absolute Topzeit)

Run:

Weil die Defensivtaktik bis dahin so gut funktioniert hat, wollte ich eigentlich locker loslaufen und dann ab der Hälfte schaun, was möglich ist. Und der Start fühlte sich auch wirklich locker an. In Sichtweite lief „Norbert“ (bis dahin wusste ich das nur, weil es auf seinem Einteiler stand). Das Ziel lautete von da an, auf Norbert aufzuschließen. Nach ein paar 100 Meter kam ein plötzlicher Anstieg, mit dem ich eigentlich überhaupt nicht rechnete. Ich war – warum auch immer – auf eine komplett Flache Laufstrecke eingestellt (als hätte das irgendwas geändert). Aus Erfahrung wusste ich bereits, dass es mit steilen Anstiegen bei mir genau wie beim Schwimmen verläuft. Also jetzt ja nicht hinaufstürmen wie Messner auf den Mount Everest. Es kam mir eigentlich vor wie gehen, die Zwischenzeit auf der Uhr zeigte allerdings ein „relativ“ ansehbares Tempo. Kurz nach der Steigung ging es quer über ein Feld. Beim Schild für den 1. Kilometer war ich dran an Norbert, allerdings zu feig um vorbeizulaufen. Das Tempo passte mir einfach zu gut und ich hatte Angst einzugehen, würde ich jetzt überholen und zu schnell laufen. (Ich feige Sau). Zusammen überholten wir Läufer um Läufer. Nach ca. 1,5 Kilometer kam mir etwas komisch vor, warum uns noch immer keiner entgegen kam, war es doch eine nur 2,5 Kilometer lange Pendelstrecke. So verwirrt konnte ich gar nicht sein, um nicht erkennen zu können, dass ich irgendwo relativ weit vorne dabei war. Es ist unglaublich wie leicht es sich mit so einem Gefühl auf einmal läuft. Noch 3,5Km? Drauf geschissen, das ist ja ein Spaziergang. Kurze Zeit später war es dann so weit. Der Führende kam samt Führungsmountainbike an uns vorbei. Von da an begann ich mitzuzählen (man hat ja sonst nichts besseres zu tun). Bis zu Kilometer 2 zählte ich dann doch schon mehr als 3 Läufer und so wurde das Zählen wieder uninteressant. (Jetzt mal im Ernst, ich hatte nicht wirklich mit einer Top30 Platzierung gerechnet und auf einmal höre ich auf zu zählen, weil schon MEHR ALS 3 Leute vorbeikamen??? Wie Arrogant). Nach dem Wendepunkt ging’s dann die gleiche Strecke wieder zurück, also noch einmal ein saftiger Anstieg. Aber wo ein Anstieg, da auch ein Gefälle. Und dieses kam ca. 500 Meter vor dem Ziel. Genau rechtzeitig um das Tempo noch einmal zu verschärfen. Aber ich war nicht allein, auch Norbert legte einen Gang zu. Und ganz ehrlich. Normalerweise bin ich immer für einen Zielsprint zu haben, aber an dieser Stelle empfand ich es als wirklich unfair zu überholen, hat mich Norbert doch die gesamten 5 Kilometer „mitgezogen“. Danke dafür!

Nach 1:08:25 Stunden durchlief ich den Zielbogen. WAHNSINN!!! Es gab sogar noch Kuchen 😉

Laufzeit: 21:44min (4:20min/km lt.Garmin war die Strecke 5,2KM lang)
Lauf-Rang: 10 (Die 10-schnellste Zeit? Das kann schon was)

Dank dieser Laufleistung noch einmal 4 Leute überholt. Ergibt somit

Ergebnis:

Gesamtzeit: 1:08:25h
Rang: 15. von 136

Ergebnisliste: Pentek-Timing

Aftershow:

Leider hatte ich dieses Mal niemanden, der Fotos macht. Also hab ich mich selbst in der hohen Kunst der Fotografie versucht, wobei dieses heldenhafte Siegerfoto enstand:


Das Shirt erhielt ich durch Zufall. Eigentlich wollte ich schon fahren, da sah ich die Funktionsshirts um nur 10 Euro. Also Geldtasche geholt hingegangen und Größe M bestellt. Die nette Dame fragte mich um die Startnummer und hakte diese mit dem Kugelschreiber ab. Daraufhin wollte ich ihr die 10€ geben (manchmal dauerts bei mir halt wirklich lange). Sie sah mich ziemlich lange an, bevor sie mir sagte, dass das gratis wäre. Wäre ich also nicht immer so schnell im Geldausgeben, hätte ich gar nicht erfahren, dass es diese Shirts gibt. Call me idiot…

Was ich allerdings schon wusste war, dass es eine Portion Nudeln gratis gab. Beim Essen kann mir eben keiner was vormachen.

Danach gings auch schon wieder nach Hause und vor unserer Wohnung machte ich dieses tolle Foto:

Erkannt? Richtig… Der Teil vom Schnellspanner. Da hätte ich in Fürstenfeld noch lange suchen können.

Fazit:

Mein bisher mit Abstand bestes Rennen. Entschädigt für alle bisher schief gegangenen. (Aus Fehlern lernt man anscheinend doch). Endlich das Gefühl ein „richtiger Triathlet“ zu sein. Top motiviert für die nächsten Wettkämpfe.
Zur Organisation kann ich nur sagen: TOP!
Next Stop: „Paarzeitfahren in Deutschlandsberg im Rahmen der Weltradsportwoche“ (bereits erledigt – Bericht folgt)

Zusatz (Mentaltraining):

In den Magazinen liest man es immer öfter. Die mentale Stärke während eines Wettkampfes ist mitentscheidend über Sieg oder Niederlage. Aber nicht nur während dem Rennen, auch in der Vorbereitung ist es sinnvoll sich selbst einzureden, dass man gut ist. Haltet mich nicht für gestört, aber ich hab es in der Woche vor dem Triathlon ausprobiert. Es reicht schon, wenn man sich selbst hin und wieder sagt, dass man gut drauf ist. In meinem Fall hab ich mir selbst einfach immer wieder eingeredet, dass ich mein bestes Rennen abliefern werde. Ganz so schlecht, kann es also nicht funktionieren. Das körperliche Training lässt sich dadurch aber nicht ersetzen 😉


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