Wettkampfbericht – 24h Biken – ÖKO Region Kaindorf

Die gesamte Bildersammlung findet ihr wie immer auf Picasa

Vorbereitung:

Die Vorbereitung war etwas stressig. Auch wenn der Stress wie immer hausgemacht war. Es war geplant pünktlich zur Wettkampfbesprechung um 17 Uhr in Kaindorf zu sein. Um ca. 13 Uhr sah ich nochmal auf die Homepage und bemerkte, dass die Abholung der Startnummern bis spätestens 14:30 Uhr möglich war… Bis dahin hatte ich natürlich noch nichts vorbereitet, und geplant, dass ich zusammen mit Ronni rausfahren werde.
Einen Anruf später war klar: Ronni schafft es nicht innerhalb 10 Minuten zu mir um danach mit mir nach Kaindorf zu fahren. Ich musste also selber fahren. Klingt nicht wirklich nach einem Problem, allerdings habe ich Angi versprochen, ihr das Auto zu Hause zu lassen. Der Plan musste also geändert werden. Ich sprintete zum Auto und fuhr los.
Genau rechtzeitig um 14:30 Uhr kam ich in Kaindorf an und nahm die Startsackerl entgegen. Ronni bat ich in der Zwischenzeit mein Rad und meine bereits gepackten Taschen bei mir abzuholen, in sein Auto einzuladen und danach direkt zum Verteilerkreis Webling zu kommen.
Ich warf die Sackerl ins Auto und fuhr – vielleicht stellenweise zu schnell – wieder zurück nach Graz.
Dort stellte ich das Auto wie abgemacht in Webling ab, stieg zu Ronni ins Auto und es ging bereits wieder zurück nach Kaindorf. PINGPONG-TIME.

Mit NUR 5-minütiger Verspätung trafen wir erneut dort ein. (Starke Leistung, wäre ich doch sicher nicht Pünktlicher gewesen, hätte es keine Zwischenfälle gegeben)

Einziges Manko: Ich hatte noch gar nichts gegessen/getrunken und in einer Stunde war Startschuss. Weil ich es aber sowieso eher gemütlich angehen wollte war es mir egal. Kurz vor’m Start noch ein GEL und fertig.

 

Wettkampf:

Durchgang 1)

Mit musikalischer Untermalung (der österr. Nationalhymne) fiel um Punkt 18:00 Uhr der Startschuss. Grandiose Atmosphäre. Hunderte von Fahrern am Start, Tausende Fans entlang der Strecke. Wirklich toll. (Zumindest für mich als Startfahrer, danach sank die Anzahl der Besucher ein wenig)

Es dauerte bis zur ersten langen Gerade bis ich mich in eine Gruppe einordnen konnte, deren Tempo mir gefiel. Und plötzlich war es auch schon wieder vorbei mit „eher gemütlich angehen“. Ich konnte nicht wiederstehen und musste ganz vor fahren.

Das Tempo war für meine Verhältnisse wirklich sehr hoch und ich dachte bereits, dass das wohl nicht die geplanten 5 Runden so bleiben wird. Bei den leicht hügeligen Passagen musste ich die Gruppe an mir vorbeifahren lassen. Es war aber kein Problem in deren Windschatten mitzufahren. Beim kurzen Anstieg in Weixelberg zog sich diese Gruppe immer etwas auseinander, kam aber bald darauf auf im Flachen wieder zusammen.

Anstieg in Weixelberg

Kurz vor dem Start/Ziel Bereich gab es noch eine lässige Abfahrt. Einige fuhren dort aufrecht und bremsten vielleicht sogar… EINIGE!

Die erste Runde war sozusagen die Aufwärmrunde dachte ich mir. Doch die Gruppe fuhr von selbst aus nicht schneller. Also wartete ich bis zur gleichen Gerade wie schon zuvor und übernahm dort wieder die Rolle des Zugpferdes. Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, in der zweiten Runde selbst als Windschattenfahrer zu agieren. Ging aber nicht. Selbes Spiel wie zuvor. Im eher hügeligen Abschnitt musste ich mich wieder hinten einreihen. Und bereits am Ende der zweiten Runde bemerkte ich, dass ich vielleicht doch etwas hungrig war. Das war aber noch gar nicht das größte Problem. Der Durst wurde immer größer und ich hatte bereits eine von zwei Flaschen geleert.

Peloton

Die folgenden Runden liefen eigentlich alle ziemlich gleich ab. In der dritten Runde konnte ich sogar als führender der Gruppe durch das Ziel fahren. Das gefiel mir natürlich besonders. Dafür kam es in der fünften und letzen Runde, wie ich es schon lange zuvor erwartet hatte. Auf der Geraden konnte ich wieder Tempo machen, aber kurz darauf musste ich die Gruppe das erste Mal ziehen lassen. Um so größer war jedoch die Freude, dass ich das ca. 200 Meter große loch zwischen uns mit viel Mühe wieder schließen konnte. Ich versteckte mich bis zum Ziel im Windschatten und war heilfroh es geschafft zu haben.

Auf Platz 7 in unserer Wertungsklasse überquerte ich die Ziellinie. Für die Zahlenliebhaber unter euch:

Die erste Runde (17,9km) fuhr ich in 27:38 Minuten. Das ergibt einen Schnitt von 38,85 km/h. Ziemlich crazy.
Die gesamten 5 Runden sank der Schnitt ein wenig. 36,6 km/h auf 90,5 Kilometer gerechnet ist für mich aber mehr als ansehnlich.


Wechsel:

Der Fahrerwechsel war auch gut gelöst. Man musste sowieso nach jeder Runde durch die Mehrzweckhalle fahren. Wollte man nicht wechseln fuhr man durchs zweite Tor, wollte man jedoch wechseln fuhr man durchs erste, wo bereits die Teamkollegen warteten. Diese sahen auf einem Monitor, wann ihr Fahrer 500 Meter vor dem Ziel war und durften erst dann die Wechselzone betreten. Wirklich sehr gut gelungene Lösung. (Zumindest vom Veranstalter, mehr dazu aber später)

Ruhezeit:

Während Patrick schon auf der Strecke war fiel mir auf, dass ich noch nie solche Oberschenkelschmerzen hatte. Ausrede genug, um das halbe Kuchenbuffet zu verputzen. Die Verpflegung im „All Inclusive“ Zelt war wirklich grandios. Immer sauber, immer alles da. So gefällt mir das. Ca. 5 KG Nudeln später war es an der Zeit eine Runde zu schlafen. Als Quartier diente Ronnis Auto, welches in ein lauschiges kleines Schlafgemach umfunktioniert wurde. Nur schade, dass die umgelegte Rückbank eine riesige Kante genau auf Rückenhöhe hervorbrachte und die Länge des Fahrzeugs ein Ausstrecken der Beine nicht zuließ. Nach ca. 1 Stunde Suchen der richtigen Liegeposition fand ich eine halbwegs gute Lösung. Kaum eingeschlafen klopfte auch schon Kathi an’s Fenster um mir ihre Fahrradbeleuchtung zu geben und mir mitzuteilen, dass Ronni jetzt fährt und ich nach im dran bin.

OK ICH HABS VERSTANDEN.. ICH SOLL NICHT SCHLAFEN..

Ich entschloss mich also, doch gleich munter zu bleiben. Es waren ja rechnerisch auch nur mehr 2 Stunden bis Ronni mit seinem ersten Durchgang fertig war. Doch es dauerte keine 10 Minuten, da läutete das Telefon. Ronni, der mich irgendwo von der Strecke aus anrief, erzählte mir, dass sein Rücklicht defekt wäre und er nach dieser Runde seinen Durchgang beenden würde. Toll. Die Oberschenkel brannten, die Augen wollten kaum offen bleiben, da hieß es schon wieder umziehen, Licht montieren und rauf auf’s Rad. Naja. Ich habs mir ja selbst ausgesucht. Während ich in der Wechselzone auf Ronni wartete kam mir der Gedanke, dass wir eigentlich nur sein Rücklicht tauschen müssten und er könnte wie abgemacht noch weiterfahren. Doch der Gedanke war noch nicht fertig gedacht, da klatschten wir schon ab und es ging los mit meinem zweiten Durchgang.

Durchgang 2)

Das Fahren bei Dunkelheit war irgendwie komisch. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen wie schnell ich war. Noch dazu war ich die ersten Kilometer alleine. Dann kam glücklicherweise die selbe Gruppe mit der ich schon im ersten Durchgang fuhr. Unter ihnen sehr viele 24h-Einzelfahrer. Was mich faszinierte war, dass sie noch immer annähernd das selbe Tempo fuhren wie auf den ersten Runden. Ich war zu diesem Zeitpunk froh, mich im Windschatten verstecken zu können. Aber nicht lange. Auch dieses Mal ließ ich es mir nicht nehmen immer wieder bei der Tempogestaltung mitzumachen. Problem dieses Mal nur. Ich konnte eigentlich gar nicht mehr. Die Oberschenkel wollten nicht mehr so recht. Ich spielte das Spiel wieder 2 Runden mit.

Erste Runde 32Km/h
Zweite Runde 31km/h.

Bei der Hälfte der dritten Runde war es dann endgültig vorbei. Ich konnte mich nicht mehr in der Gruppe halten. (Ich könnte es auch auf ein Auto schieben, welches sich zwischen mich und die Gruppe drängte, aber das wäre nur die halbe Wahrheit). ByeBye. Es war schön mit euch. Und schwuppps. Weg waren sie. Von da an begann der Kampf, und es war erst die Hälfte meines Durchgangs geschafft… Es kam mir vor als würde ich stehen. Leider war es auch schon wieder hell geworden und so sah ich, dass sich die Bäume und Straßenstipfel kaum an mir vorbeibewegten. Das Einzige was an mir vorbeiflog waren andere Fahrer, die allesamt viel fitter wirkten.

Habe ich bei meinem ersten Durchgang noch mit dem Gedanken gespielt „Profi-Radfahrer“ zu werden, weil es ja so gut lief, hat sich dieser Gedanke spätestens jetzt wieder in Luft aufgelöst.

SO A SCHAS. I MOG NET MEHR. UND ES TRINKEN IS A SCHO WIEDER LEER.. GEH LECK..

Das Einzige was mich noch motivierte weiterzufahren waren vor meinen Augen vorbeifliegende Kuchenstücke. Mhhh. Nur noch 2 1/2 Runden, dann kannst du wieder das Buffet abräumen. Aber 2 1/2 Runden bei diesem Tempo bedeuteten noch ca. 1 1/2 Stunden Fahrzeit..

Dritte Runde: 29,9km/h. wähhh.
Vierte Runde: 27,2km/h. wääähhhh.
Fünfte Runde: 26,6km/h. wäääääähhhhhh. Da muss es wohl einen Fehler bei der Zeitnehmung gegeben haben.

Wechsel Nr.2 oder „LOST IN TRANSITION“!

Komplett am Ende kam ich in der Wechselzone an und hielt ausschau nach Kathi. Kathi?
„Entschuldigen sie junger Herr, warten sie auf jemanden?“, fragte jemand aus dem Organisationsteam.
„JA, ahhh, da… PATRICK? Fahrst du nach mir?“
Patrick: „Nein, die Kathi!“
„Wo ist sie?“
„Am Klo!“
„Am Klo?“
„JA!!“
„Ahso, na dann, wart ich weiter“
Der Wechsel ist ja nicht so wichtig, dachte ich mir und sah wie hinter mir jemand mit Vollspeed in die Wechselzone schoss und während er vom Rad sprang gekonnt mit seinem Partner abklatschte. WOW. Der war anscheinend schon vorher am Klo, oder er musste so dringend, dass er sich beeilte von hier wegzukommen.

Dann kam unsere PeeQueen und ich konnte endlich zum gemütlichen Teil übergehen. ESSEN! Ich glaube, es war bereits Mittag als ich das Verpflegungszelt verließ. Betreten hatte ich es um ca. 7 Uhr Morgens. Zeit also für ein Nickerchen. Und weil es nun endlich angenehm warm war, zog ich die Matte aus dem Auto, legte sie auf den Boden und konnte endlich mit ausgestreckten Beinen ohne Kante im Kreuz schlafen.

Während ich so vor mir herschlief wurden taktische Feinheiten besprochen. Ronni und Kathi einigten sich irgendwie darauf keinen zweiten 3-stündigen Durchgang zu fahren, sondern nach jeweils ca. 1 1/2 Stunden zu wechseln. Kluge Entscheidung. Naja, rein theoretisch. In der Praxis stellte sich jedoch heraus, dass mehrmaliges Wechseln, anscheinend zu erhöhtem WC-Besuch führt. Anders kann ich mir nicht erklären wie es Kathi schaffte jedes Mal genau wenn unsere Fahrer einfuhren nicht da zu sein. (Nicht ernst nehmen. Wir fanden es eigentlich wirklich lustig… Kaum Richtung Toilette unterwegs leuchtete schon der Name unseres Fahrers auf dem Monitor auf. Wir hätten den Monitor eigentlich gar nicht gebraucht)

Während Kathi, Ronni und Patrick ihre Kilometer abspulten und ich meine Arbeit eigentlich schon getan hatte, tat ich dass was ich am besten kann. ESSEN. Und als wir uns im Kopf ausrechneten wie lang Kahti für ihre letzten zwei Runden brauchen würde, fiel uns auf, dass es sich genau noch ausgehen könnte, eine letzte Runde dranzuhängen. JUHUUU. Also sofort wieder rein in die Rennmontur. Die Oberschenkel waren wieder erholt und die Motivation war auf dem HÖHE… naja, wir wollen auch nicht übertreiben. (Ich muss ja nicht unbedingt erwähnen, dass ich liebend gerne die Zieleinfahrt übernahm und noch dazu eine Runde mehr als meine netten Kollegen – sorry Ronni bei dir warens sogar ZWEI – auf dem Konto hatte)

Durchgang 3)

Nach 23:57 Stunden klatschte ich mit Kathi ab und machte mich auf den Weg zur letzten Runde. Es war ein einsamer Weg. Nur vereinzelt kam ich noch an Fahrern vorbei. Es war eigentlich wie ein Einzelzeitfahren. Und ich wollte es noch einmal wissen. Nach exakt 25 überholten Fahrern kam ich bereits 30:10 Minuten später im Ziel an.

35,6km/h. Ohne Windschatten. „I Like“

Nachbeben)

Kathi war so nett und wartete mit dem Essen auf uns. Danke an dieser Stelle 😉 Was allerdings niemand wusste: Das Verpflegungszelt hatte nur bis 19 Uhr geöffnet. Es war aber bereits 19:00:01 Uhr. Der leicht angetrunkene Türsteher machte keinen Spaß, auch wenn es zuerst so aussah.
„Du kommst hier nicht rein!“
Doch wir Burschen versuchten alles in unserer Macht stehende und antworteten Blitzschnell:
„OK“

Und damit war die Sache erledigt. Nicht einmal eine mehrminütige Diskussion zwischen Kathi und Meister Propper führte zum Erfolg.
Next Stop: Veranstaltungsbüro
Vielleicht täusche ich mich, aber als Kathi in Richtung des Büros stürmte kam es mir vor, als würde es aus ihren Ohren dampfen. Vielleicht habe ich mir das aber auch nur eingebildet. Vielleicht.
Es half alles nichts. Die Türen blieben verschlossen, und so bin ich mir sicher, dass einige Kilo an Nahrung wieder den Weg auf die Müllhalde fanden. Sehr wirtschaftlich.

Aber wen kümmerts. Wir zahlen ja gerne für Vollverpflegung um dann nach dem Rennen eine Schnitzelsemmel um 10.000€ zu kaufen. Hauptsache, das Bier war alkoholfrei. Zumindest nach Kathis Meinung. Mir kam es irgendwie gar nicht so vor…

Team X bei der Siegerehrung

Fazit:

Wirklich sehr geile Veranstaltung.
Was können wir beim nächsten Mal besser machen? Viel sicher nicht. A Gaude war’s. Mehr haben wir nicht erwartet.
Platzierung: 15. von 20 Teams. Da gab’s anscheinend Teams die noch mehr unter Inkonsistenz litten als wir.
Gefahrene Runden:
„Team X“ (so hießen wir.. Gott hat uns nicht mit Einfallsreichtum gesegnet): 40 (716 Kilometer / 24:56:00 Stunden)
Ich: 11 (196,9 Kilometer / 6:02:44 Stunden)
Veranstalter Homepage
Pentek-Timing Ergebnisliste
Team X Gruppenfoto

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